Schule statt Bierzelt SZ vom 04.05.2018

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Foto:Carmen Voxbrunner

Von Isolde Ruhdorfer

„Es sind hier einige Dinosaurier der Landespolitik anwesend“, sagt Peter Falk (SPD). Eine Diskussion dieser Art dürften aber die wenigsten von ihnen schon geführt haben. Vier Landtagskandidaten des Stimmkreises Fürstenfeldbruck-Ost müssen Schülern des Germeringer Carl-Spitzweg-Gymnasiums Rede und Antwort stehen. Bei der Podiumsdiskussion sind Benjamin Miskowitsch (CSU), Hans Friedl (FW), Martin Runge (Bündnis 90/Die Grünen) und Peter Falk (SPD) anwesend. Vor Schülern habe er noch nie gesprochen, meint Miskowitsch. Es sei definitiv „anders als im Bierzelt.“ Denn: „Im Bierzelt kann man mehr polarisieren. Das ist aber nicht so meins.“ Die Umsetzung der Podiumsdiskussion findet er deshalb gelungen. Die vier Kandidaten haben anfangs jeweils zwei Minuten Zeit, um sich und ihre Ziele vorzustellen. Danach wird über die vier großen Themen Wohnungsnot, Bildungspolitik, das Polizeiaufgabengesetz und die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, diskutiert. Es moderieren die Schüler Emil Kafitz, Hannah Höfer und Dogukan Karakaya.

Meistens gehen die vier Kandidaten höflich und distanziert miteinander um. Ein wirklicher Schlagabtausch kommt nur bei der Frage auf, ob der Islam nun zu Deutschland gehört oder nicht. Dazu meint Friedl: „Die Frage ist eher: Wollen wir, dass der Islam bei uns mehr Einfluss kriegt? Das beantworte ich ganz klar mit Nein.“ Er sei für eine „kulturerhaltende Integration“. Christliche Bräuche, wie Weihnachtsmärkte und Osterhasen, „gehören einfach zu uns dazu.“ „Das ist aber heidnisch“, merkt Runge ein wenig spitz an. Den umstrittenen Satz hält er sowieso für eine „schräge Nummer“. Es gehe lediglich darum, zu provozieren. „Das war nur billige, blöde Polemik“, sagt er entschieden. „Es darf keine ausgrenzende Rhetorik von der Staatsspitze geben“, sagt auch Falk. „Er hat ja niemanden ausgeschlossen“, widerspricht Miskowitsch. „Geschichtlich betrachtet“ sei der Islam kein Teil von Deutschland. „Wer sehr wohl zu uns gehört, sind die Muslime, die hier in Frieden bei uns leben.“

Deutlich friedlicher geht es bei den Themen Wohnungsnot und bezahlbarer Wohnraum zu. Denn dass es da ein Problem gibt, da sind sich alle einig. Friedl schlägt steuerliche Vergünstigungen für Landwirte vor, die ihr Grundstück verkaufen und es später in Wohnungsbau investieren. Runge findet viele Probleme auch „hausgemacht“. Beispielsweise gebe es in Gröbenzell viele leer stehende Häuser.

Im Bereich der Bildungspolitik kann vor allem Falk mit einer von Kenntnis geprägten Meinung punkten. Im Gegensatz zu Friedl, der lieber über Blühstreifen oder sein Lieblingsthema, die Abschaffung der Straßenausbaubeiträge, spricht, setzt sich Falk für Chancengleichheit ein. „Wir brauchen längeres gemeinsames Lernen“, sagt er dazu. Durch „langes Zusammenlernen“ würden mehr Schüler einen hohen Abschluss erreichen. Vom Numerus Clausus, also der Zulassungsbeschränkung für ein Studium über die Abiturnote, habe er „noch nie etwas gehalten.“ Schließlich habe er selbst ein „miserables Abitur“ geschrieben. Beim Studium komme es auf Interesse und Begabung an. „Das kann man nicht in Noten messen.“

Bei einer „Schnellfragerunde“ demonstrieren die vier Kandidaten fast so etwas wie Geschlossenheit. Allen gleichzeitig wird eine Frage gestellt, die man mit Ja oder Nein beantworten kann. Als Antwort müssen sie nur ein grünes Kärtchen für Zustimmung oder ein rotes für Ablehnung heben. So würde keiner von ihnen mit der AfD koalieren und auch bei der Frage nach einer Großen Koalition heben alle ihre rote Karte. Privat mal einen Kaffee trinken mit einem politischen Gegner, das würden sie aber schon.

Ganz harmonisch ist es dann aber doch nicht immer. Gerade gegen die CSU wird in der Runde immer wieder gestichelt. Das wird besonders bei der Diskussion um das Polizeiaufgabengesetz, das die CSU als einzige der vertretenen Parteien befürwortet, deutlich. „Man macht das doch nur, um rechtsaußen zu punkten“, wirft Runge der CSU vor. „Aber das macht die CSU ja an vielen Stellen.“ Dafür erntet er zunächst Applaus beim Publikum und dann Entrüstung bei Benjamin Miskowitsch. „Das ist eine Unterstellung, die fast schon ein bisschen unverschämt ist“, meint er empört.

Moderator Emil Kafitz aus der zwölften Klasse, der auch an der Themenauswahl beteiligt war, freut sich über die „flüssige Diskussion“. Ziel sei es, die Schüler an die Politik heranzuführen. Denn: „Solche Diskussionen sind in unserer Stufe nicht normal.“ Nun aber habe man aber die Schüler auf solche Themen aufmerksam machen können: „Jetzt haben schon viele darüber geredet.“ Ganz ähnlich sieht es auch Landtagsbewerber Miskowitsch, für den Diskussionen eine besonders große Rolle spielen: „Wichtig ist, dass man überhaupt politisches Interesse hat.“