Kandidaten debattieren über Agrarpolitik -Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 21.09.2018, von Olf Paschen

Eingetragen bei: Allgemein, Presse | 0

Mammendorf – Weil auch ÖDP und Bayernpartei zur Podiumsdiskussion des BBV in Mammendorf eingeladen waren, konnte es schon auffallen, dass eine im Bundestag vertretene Partei vom Bauernverband nicht berücksichtigt worden war: die Linke. Sie sei offenbar ohne böse Absicht durchgerutscht, meinte Kreisobmann Georg Huber auf Nachfrage. Vermisst wurden die Fehlenden wohl eher nicht, denn schon die Statements von acht Landtagskandidaten aus zwei Stimmkreisen brauchten ihre Zeit. Mehrere Bewerber betonten ihre Verbundenheit mit der Landwirtschaft. Peter Falk (SPD) führte sogar noch seinen Großvater, einen Aubinger Bauernsohn, an. Etwas kritischere Töne kamen nur von Grünen und ÖDP.

Die Grüne Gabriele Triebl, Gemeinderätin in Kaufering und Kandidatin im Brucker Westen und Landsberg, nahm auch ihre eigene Partei nicht von Kritik aus. Für eine echte Agrarwende müsse man ideologische Scheuklappen zwischen bio und konventionell ablegen. Hans Friedl (Freie Wähler), einziger aktiver (Nebenerwerbs-)Bauer in der Runde, forderte eine stärkere Stimme der Landwirtschaft im Landtag. Lokalmatador Benjamin Miskowitsch (CSU) verteidigte zwar die bestehende EU-Agrarpolitik, wünscht sich aber nicht noch mehr Bürokratie: „Der Landwirt gehört in den Stall, nicht vor den Computer.“

Eigentlich sollte ein Computer selbst Formulare ausfüllen können, meinte Informatiker Ulrich Bode (FDP). Für Michael Hofmann von der Bayernpartei brauchen freie Bauern in einem freien Bayern ohnehin keine Ausgleichszahlungen aus Brüssel. Sie müssten über Preis und Angebotsvielfalt auf ihren Schnitt kommen. Eine an den Interessen der großen Agrarindustrie orientierte EU-Kommission werde nie wissen, „was der Bauer hier braucht“, meinte Edeltraud Schwarz (AfD). Christian Holdt (ÖDP) fordert gegen die Marktmechanismen einen Existenzsicherungsvertrag zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft, mit dem Erhalt und Pflege der Kulturlandschaft honoriert werden. Triebel will öffentliche Gelder vor allem dort ausgeben, wo Tierschutz und Bodenschutz gewährleistet sind.

Diskutiert wurde auch über die Erbschaftssteuer. Friedl wedelte schon mit einem Flyer und kündigte das nächste Volksbegehren, nämlich zur Abschaffung eben dieser Steuer an. Wenn man die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich beklage, müsse man auch dem Staat seine Mittel zukommen lassen, fand dagegen ÖDP-Mann Holdt. Nur gehörten die Landwirte eben nicht zu den Superreichen, hieß es aus dem Publikum. Und der Liberale Bode verteidigte die Milliardäre: „Die sitzen nicht auf dem Geld rum. Die haben auch Betriebe, bloß halt in anderen Größenordnungen.“

Schließlich noch ein Thema: Die Überregulierung oder der „Kontrollwahn“, wie es ein Zuhörer ausdrückte. Obmann Huber erzählte von Bewirtschaftungsauflagen für Wasserschutzgebiete, in denen zum Beispiel kein Häckselgut ausgebracht werden kann, weil ein Rehkitz in den Häcksler geraten sein könnte. Und gleichzeitig „scheißen 500 Hunde täglich rein“. So ein Unsinn lasse einen fast zum Gesetzesbruch aufrufen, meinte Hofmann von der Bayernpartei. Und Holdt fragte sich, wie bei solchen Auflagen noch regionale Nahrungsmittelproduktion funktionieren solle.  op

Quellenangabe: Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 21.09.2018, Seite 36