Für Bienen und Landwirte – SZ vom 04.05.2018

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v.l.n.r. Imker u. Biolandirt Karl Schwojer, BBV-Kreisobmann Georg Huber, Hans Friedl , Nik Kraus

 

Von Ingrid Hügenell

„Bienen schützen – Landwirtschaft stärken“ – unter diesem Motto stand eine Veranstaltung der Freien Wähler. Mehr als 80 Menschen waren nach Gernlinden gekommen, um darüber zu diskutieren, wie man den Rückgang der Insekten stoppen kann. Dazu hatten Hans Friedl, Landtagskandidat und Kreisvorsitzender der Freien Wähler, und Gottfried Obermair, Fraktionsvorsitzender der FW im Maisacher Gemeinderat und Vorsitzender von Ziel 21, eingeladen.

Friedl hob hervor, dass das Gespräch zwischen Verbrauchern, Landwirten und Imkern immer wichtiger werde, weshalb die Veranstaltung unter dem Motto „Miteinander statt übereinander reden“ stand. Er zeigte sich überwältigt von dem „riesigen Interesse“ an der Veranstaltung, die er mit einem Satz eröffnete, der Albert Einstein zugeschrieben wird: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Es müsse das Verständnis dafür geschärft werden, „dass Bienen nicht nur als Honiglieferanten, sondern für das ganze Ökosystem von elementarer Bedeutung“ seien.

Große Gefahren seien nach wie vor die Varroa-Milbe, der Einsatz von Neonicotinoiden in der Landwirtschaft, der Klimawandel, aber auch der Pestizideinsatz in Hausgärten und an Eisenbahnstrecken. Friedl wies darauf hin, dass die Bahn der größte Verbraucher von Glyphosat sei.

Die Neonics, wie das Insektengift abgekürzt wird, führe dazu, dass Bienen ihren Orientierungssinn verlören, ihre Lernfähigkeit leide und sie stürben früher. Dennoch, erklärte Friedl, scheinen Bienen die damit behandelten Pflanzen verstärkt anzufliegen: „Die Neonics wirken bei Bienen wie das Nikotin bei einem süchtigen Raucher.“

Der Imker und Biolandwirt Karl Schwojer und der Kreisobmann der Bauernverbands, Georg Huber, schilderten ihre Erfahrungen in der Praxis und machten dabei deutlich, dass viele Landwirte aus ihrer Sicht längst aktiv Bienenschutz betrieben. Aus Friedls Sicht kann jeder etwas für die Insekten tun: „In unseren Gärten können wir für mehr Blütenvielfalt sorgen und Trinkmöglichkeiten anbieten.“ Zudem könnten die Gemeinden zum Beispiel Kreisverkehre bienenfreundlich gestalten und Wildblumen ansäen.

Michael Schanderl, Bezirksrat und Bürgermeister von Emmering, wies darauf hin, dass das in seiner Gemeinde schon praktiziert werde. „Wenn einmal weniger gemäht wird, ist das nicht, weil der Bauhof g’schlampert und faul ist“, sagte er – sondern um den Insekten Nahrung zu bieten. Die Freien Wähler wollen Friedl zufolge weitere Veranstaltungen dieser Art organisieren.