Fünf Kandidaten geben ihr Wort – SZ 23.04.2018 von Florian J. Haamann

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Fünf Kandidaten geben ihr Wort
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Von Florian J. Haamann

44 Sekunden, genau gestoppt vom wachsamen Moderator Norbert Seidl, hat jeder der Landtagskandidaten, um in einem Schlussstatement noch einmal für sich zu werben. Und so werden die etwa 100 Gäste im Zelt des Puchheimer Volksfests mit dem Wissen entlassen, dass Benjamin Miskowitsch (CSU) Politik mit Bauch, Herz und Hirn machen möchte, Peter Falk seine SPD als Partei der Freiheit und des Sozialen in Bayern sieht, Martin Runge (Grüne) den Menschen in den Mittelpunkt stellen will, Hans Friedl (FW) glaubt, dass man miteinander mehr schafft und es auch anders geht und Ulrich Bode (FDP) viel von der Digitalisierung versteht und sich deshalb dieses Themas annehmen möchte. Zuvor hatten die fünf Kandidaten für das Direktmandat im Stimmkreis Fürstenfeldbruck-Ost knapp zwei Stunden lang teils leidenschaftlich, teils hoch unterhaltsam miteinander debattiert.

Moderiert wird der Vormittag im von der Sonne aufgeheizten Zelt von Norbert Seidl, der die Veranstaltung unter dem Titel „Wos sogst du dazua?“ gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung organisiert hatte. Seine bissige Fragen und Einwürfe sind es, die der Veranstaltung die sonst übliche Podiumsdiskussionsschwere nehmen. Derweil pirscht SZ-Redakteur Stefan Salger mit einem Mikrofon durch die Bierbankreihen, um Fragen und Reaktionen aus dem Publikum zu bekommen. Und von dort gibt es durchaus einige kritische Hinweise ans Podium, besonders Bernd Heilmeier von den Freien Wählern Eichenau will manch einem Kandidaten unklare Aussagen nicht durchgehen lassen. So hakt er bei Benjamin Miskowitsch nach, nachdem dieser Seidls Frage nach seinem Standpunkt zum Bau der Olchinger Umfahrung gekonnt nicht beantwortet hatte. Doch der 33-Jährige drückt sich auch in der zweiten Runde um eine klare Haltung, mit einem knappen „sie wird gebaut“.

Deutlich das meiste Feuer bringt Martin Runge auf die Bühne. Egal, ob zur Olchinger Umfahrung, die er verhindern will, oder zu einem seiner Lieblingsthemen, dem S-4-Ausbau, zu dem er deutliche Worte findet, nachdem Miskowitsch erklärt hatte, dass dieser bald komme und damit im Publikum für den lautesten Lacher des Vormittags gesorgt hatte.

Zum Running Gag wird schnell Ulrich Bodes Universalantwort auf eigentlich jedes Problem: Ausbau der Digitalisierung. Ein Bespiel: Wohnungsnot? Digitalisierung für mehr Wirtschaft im ländlichen Raum und bessere Homeoffice-Möglichkeiten. Natürlich, betont Bode, das sei nur ein Teil der Lösung. Bei der Flüchtlingsfrage dagegen spricht er sich für ein Einwanderungsgesetz mit klaren Kriterien aber ohne Obergrenze aus, ähnlich äußert sich auch der Rest des Podiums. Runge allerdings weist darauf hin, das man deutlich zwischen Einwanderung und dem Asyl- und Bleiberecht unterscheiden müsse.

Hans Friedl verteidigt ausdauernd den Vorstoß der Freien Wähler, die Straßenausbaubeitragssatzung abzuschaffen, auch gegen die kritischen Nachfragen Seidls, der als Bürgermeister plötzlich mit einem Loch im Haushalt rechnen muss. Zudem spricht sich der Freie-Wähler-Kandidat weiterhin für Bürgerbegehren aus. Peter Falk setzt sich vor allem für den Bau bezahlbarer Wohnungen und eine interkommunale Wohnbaugesellschaft ein.

Einig sind sich die Diskutanten bis auf Miskowitsch darüber, dass man im Herbst die absolute Mehrheit der CSU beenden möchte. Wie es dann allerdings weitergehen soll, Jamaika, ein Alle-gegen-die-CSU-Bündnis, oder was auch immer, über alles wird gesprochen, festlegen allerdings will sich niemand. Da Miskowitsch bei diesem Thema nicht viel zu sagen hat, gibt er sich selbstbewusst und erklärt leicht ironisch, dass er die Kandidatur der anderen zwar zur Kenntnis nehme, es damit aber auch gut sei.

Und so erfahren die Besucher an diesem Vormittag zwar politisch nicht viel Neues, dafür aber Menschliches. Etwa, dass Peter Falks am liebsten Buttermilch trinkt und Miskowitsch bei der Kinderplanung noch im Übungsmodus ist.